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Exit 4 Min. Lesezeit

Greenergetic: Exit an innogy

Ende April 2019 übernahm die RWE-Tochter innogy sämtliche Anteile an der Bielefelder Greenergetic GmbH. Vorausgegangen war ein Einstieg von RWE Vertrieb Ende 2015 — ein Exit in zwei Etappen.

Ein Vertriebsproblem, kein Technikproblem

Stadtwerke und regionale Energieversorger hatten Mitte der 2010er Jahre eine schwierige Ausgangslage. Der Kontakt zum Endkunden war da, das Vertrauen war da, die Marke war da. Was fehlte, war die Fähigkeit, Photovoltaik, Speicher, Wärmelösungen und Ladeinfrastruktur tatsächlich zu verkaufen und abzuwickeln — also Konfiguration, Angebot, Installation, Abnahme, Service. Ein Versorger, der Strom liefert, ist deswegen noch lange kein Anbieter von Solaranlagen.

Greenergetic, 2012 in Bielefeld gegründet, hat genau diese Lücke besetzt. Das Unternehmen betrieb eine integrierte Plattform für Energiedienstleistungen, mit der Stadtwerke ihren Privat- und Gewerbekunden eigene Produkte anbieten konnten, ohne den dafür nötigen Apparat selbst aufzubauen. Greenergetic lieferte die Software, den Prozess und die Abwicklung — der Versorger blieb im Vordergrund.

Der Einstieg 2015

Ende 2015 beteiligte sich RWE Vertrieb — später in innogy überführt — mit einem niedrigen zweistelligen Prozentanteil an dem ursprünglich auf Solar-Pacht ausgerichteten Bielefelder Unternehmen. Für einen Konzern, der sein Endkundengeschäft in Richtung Dienstleistung entwickeln wollte, war das ein gut kalkulierter erster Schritt: nah genug am Geschäft, um zu verstehen, wie es funktioniert, und weit genug entfernt, um die Geschwindigkeit eines jungen Unternehmens nicht zu ersticken.

Diese Konstellation hielt gut drei Jahre.

Die Komplettübernahme 2019

Ende April 2019 übernahm innogy sämtliche Anteile an Greenergetic. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Dietrich Gemmel, damals Leiter des deutschen Endkundengeschäfts von innogy, begründete den Schritt mit der Wachstumsstrategie im Bereich Energiedienstleistungen.

Bemerkenswert an der Transaktion war weniger der Anteilsübergang als die Struktur danach: Greenergetic blieb ein eigenständig geführtes Unternehmen und belieferte weiterhin auch Marktteilnehmer außerhalb der innogy-Gruppe. Für einen Plattformanbieter ist das existenziell — eine Plattform, die nur noch einem Konzern dient, verliert genau die Neutralität, die sie für alle anderen Kunden attraktiv macht.

Was wir daraus mitnehmen

Ein Exit ist selten ein Ereignis, meistens ein Prozess. Zwischen dem Einstieg von RWE Vertrieb und der Komplettübernahme lagen dreieinhalb Jahre. Wer den ersten Schritt gut strukturiert, verhandelt den zweiten aus einer anderen Position.

Der Kunde des Kunden entscheidet. Greenergetic hat nie an Hausbesitzer verkauft, sondern an Versorger — und wurde dadurch für einen Versorger interessant.

Unabhängigkeit nach dem Verkauf ist Teil des Preises. Dass die Plattform weiter für Dritte offen blieb, war für die Substanz des Unternehmens wichtiger als jede Klausel über Earn-outs.